Projektsteuerung Schulbau

Projektsteuerung Schulbau

NAME Amad Rahman
POSITION Teamleiter Projektsteuerung
BEI SBH seit 2010

Erst aufgelaufen, dann abgesoffen – und doch die perfekte Welle erwischt. Wenn Amad Rahman über den Stand des Projekts Campus Steilshoop erzählt, klopft er hin und wieder lachend auf Holz. Der Campus im Nordosten Hamburgs ist in vielerlei Hinsicht ein Spezialfall. Von der Größe, vom finanziellen Volumen, vom Projektverlauf her.

»Schulen sind heute die Kristallisationspunkte eines Quartiers.«

Amad Rahman ist Teamleiter Projektsteuerung in der Schulbauregion Wandsbek- Süd. Der Campus Steilshoop fällt in sein Ressort. Das Bauteam, lächelt Rahman, sei zurzeit »im Endspurt. Die Inbetriebnahme der Gebäude ist für den Schulstart nach den Sommerferien angesetzt, der Ausbau ist in vollem Gange.« Seit Projektbeginn werden dann acht Jahre vergangen sein. 2011 hatte man beschlossen, die bestehenden Schulgebäude aus den 1970er Jahren zu ersetzen. Die neue Grund- und Stadtteilschule sollte, und das ist schon die erste Besonderheit, durch ein Quartierszentrum mit Haus der Jugend, Öffentlicher Bücherhalle und weiteren kommunalen Einrichtungen ergänzt werden. Der Gedanke dahinter: »Schulen sind heute so etwas wie Kristallisationspunkte eines Quartiers; Plätze, an denen Öffentlichkeit und öffentliches Leben stattfinden.«

Der Mix aus Schul- und Kommunalbau brachte für das Bauteam und die involvierten städtischen Institutionen neue Anforderungen mit sich. »Die Anzahl der Stakeholder«, erläutert Rahman, »ist hier erheblich größer und ihre Anliegen sind vielfältiger als bei unseren rein schulischen Projekten.« Bis heute finde alle zwei Wochen ein Abstimmungstreff en mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern statt, um ihre Wünsche und Interessen aufzugreifen. »Das ist anspruchsvoll, aber integraler Bestandteil unseres Konzepts.«

Herausfordernde Startphase

Anspruchsvoll war auch die Startphase des Projekts, allerdings aus ganz anderen Gründen. Nachdem der Architekten- Wettbewerb entschieden war, kam es zu einem Dissens und schließlich zur Trennung vom siegreichen Planungsbüro. In dieser Situation fiel die Entscheidung, das Vorhaben mit einem Generalunternehmer (GU) zu realisieren. Eine zentrale Anforderung dabei: Der GU sollte für die Umsetzung des Projekts in die Planungsverantwortung gehen und dabei vorhandenes Optimierungspotenzial ausschöpfen.

GU-Vergabe statt Vergabe auf Gewerkebene, das ist vielleicht die gravierendste Besonderheit des Projekts gegenüber anderen Schulbauvorhaben Aber die Sache ging gut aus. »Wir haben in den zurückliegenden Monaten eine in der Sache harte, aber konstruktive und professionelle Zusammenarbeit erlebt«, resümiert Amad Rahman. Ein wesentlicher Faktor für die effiziente Kooperation dabei: »In puncto Schulbau verfügen wir über umfassende Erfahrung. Wir können gut definieren, was wir haben wollen und welche Qualität wir erwarten.«

Die Kunst sei, so präzise zu formulieren, dass im Projektverlauf gebaut und nicht dauernd darüber gestritten werde, was eigentlich Vertragsgegenstand sei. »Das definierte Bausoll ist das A und O. In unserem Fall hatten wir durch die detaillierte Vorbereitung der Vergabe eine sehr vollständige Baubeschreibung und dadurch recht früh hohe Kostensicherheit.«

Eine erste Bewährungsprobe für die Zusammenarbeit ließ trotzdem nicht lange auf sich warten. Als dem Generalunternehmer das Baufeld übergeben werden sollte, hatten Starkregenfälle die Baugrube massiv geflutet. An einen planmäßigen Beginn der Bauarbeiten war zunächst nicht zu denken.

»Guter Austausch kann ein Projekt tragen.«

Professionalität bedeutet oft nichts anderes, als anzupacken und die Dinge wieder in die Spur zu bringen. Hier bestand die Lösung darin, eine Dränage zu installieren und ausgewaschenen Boden auszutauschen. Das kostete zunächst Zeit, aber die holte das Team wieder herein – und seither entwickelt sich der Campus Steilshoop planungsgemäß, zur wachsenden Zufriedenheit aller Beteiligten.

Wöchentlich setzen sich Auftragnehmer und Auftraggeber zusammen und besprechen den operativen Fortgang auf der Baustelle an der Gropiusstraße. Die Realisierung eines großen und anspruchsvollen Projekts wie diesem bindet erhebliche Ressourcen, auch personell. Es gibt viele Schnittstellen, und jeder Kompetenzbereich hat seine eigene Sicht auf die Baustelle und ihre Prozesse.

Dass trotzdem alle verträglich miteinander umgehen und lösungsorientiert zusammenarbeiten, versteht Amad Rahman als Teil seines Jobs. »Viel hängt einfach von den Menschen ab, die in einem solchen Projekt aufeinandertreffen. Gute Verständigung ist wichtig. Guter Austausch kann ein Projekt tragen.

Es kommt darauf an, diesen Spirit zu erhalten und bis zum Projektende für das Vorhaben zu nutzen.« 95 Prozent seiner Zeit, so Rahman, sorge ein Projektsteuerer dafür, dass »Dinge gemacht werden. Zur richtigen Zeit, in der gewollten Qualität und zu den geplanten Kosten.« Wenn alles gut laufe, habe man die restlichen fünf Prozent, um sich am Gelingen zu erfreuen. Das motiviere ihn.

Schnelle Fertigstellung durch optimierte Bauelemente

Je näher Übergabetermin für den Campus Steilshoop rückt, desto mehr freue Rahman sich darauf, »das Bauwerk bunt und lebendig werden zu sehen«. Als Teamleiter hat er allerdings noch eine Reihe weiterer Projekte zu betreuen. Auch solche, die noch gar nicht begonnen haben. Eine aktuell drängende Herausforderung: Hamburg wird in Zukunft mehr Schülerinnen und Schüler haben. Für sie muss rasch guter Schulraum her.

Ein vielversprechender Weg sei dabei das Projekt »Hamburger Klassenhaus«. Optimierte Bauelemente und Materialien sollen zukünftig eine Fertigstellung innerhalb von 16 Monaten erlauben – gerechnet vom Planungsbeginn bis zur Übergabe. Die Innenraumaufteilung des Gebäudes lasse sich flexibel an die Anforderungen der Nutzer anpassen – Klassenräume, offene Lernwelten, Bewegungsraum. Auch verschiedene Fassadengestaltungen gebe es. »Ist noch ein bisschen Zukunftsmusik«, lächelt Rahman, »aber klingt gut.«